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Dienstag, 5. Oktober 2010

"Indie Books" - die neue Autorenszene kommt in Fahrt

Das StartUp der Stunde im Bereich der elektronischen Publizierens heißt Smashwords [siehe unsere Beiträge]. Das seit 2008 bestehende kalifornische Unternehmen hat sich auf die Distribution von eBooks von Autoren im Eigenverlag bzw. von kleinen Verlagen spezialisiert [diese Szene nennt sich im amerikanischen „indie books“]. Dabei kann Smashwords Wachstumsraten aufweisen, die beeindruckend sind. Sowohl für Smashwords aber auch für die Autoren- und eBook-Szene.

Smashwords ist ein Dienstleistungsunternehmen für Autoren [und kleine Verlage]. Es bietet den Autoren die Möglichkeit, ihre Bücher (a) in verschiedenste eBook-Formate zu konvertieren und (b) automatisiert an viele eBook Verkaufsplattformen zu distrubieren. Zum Distributionsnetzwerk von Smashwords gehört u.a. der Apple iBookstore, Barnes & Noble, Sony, Kobo und andere mehr. Demnächst soll auch Amazon Kindle ein Distributionspartner von Smashwords werden. Mit Smashword kann sich der Autor auf das Schreiben konzentrieren. Er muss sein Buch lediglich einmal zu Smashwords hochladen. Alles andere passiert automatisiert. Sehr bequem und einfach für die Autoren und daher ist es auch kein Wunder, dass Smashwords enorm rasch wächst.

Ende September 2010 hat Smashwords den 20.000sten Titel verlegt bzw. distribuiert. Das spannende Detail dabei ist die zunehmende Dynamik, welche einmal mehr ein Beleg für die Kraft des Netzwerkeffektes ist. Dieser verschafft einem Anbieter digitaler Güter [wie z.B. ein eBook] nach Erreichen der kritischen Masse in vielen Fällen ein logarithmisches Wachstum. So auch bei Smashwords. Der Sprung von 15.000 auf 20.000 erfolgte in den letzten beiden Monaten. Im Vergleich dazu: 2008 hat Smashwords gerade einmal 140 eBook-Titel distribuiert und 2009 insgesamt 6.000. Unterstellt man für das letzte Quartal 2010 ähnliche Wachstumsraten wie in den letzten Monaten und berücksichtigt das Weihnachtsgeschäft, dann wird Smashwords heuer wohl an der 30.000er Marke kratzen.

Das bedeutet, dass immer mehr Autoren sich dazu entschließen, ihre Werke als eBook im Eigenverlag herauszubringen. Und es bedeutet auch, dass das klassische Verlagsgeschäft weiter unter Druck kommt. Wir haben bereits darüber berichtet, daß sich in den USA  immer mehr bekannte auf eBooks konzentrieren, die Verlage außen vor lassen und damit  ihr Einkommenerhöhen. Verlage werden im elektronischen Bereich zunehmend verzichtbare Dienstleister.

Was wir hier sehen ist eine klassische Disintermediation. Verlage werden mit Hilfe neuer Dienstleister wie Smashwords aus der Beziehung zwischen Autoren und Lesern weggekürzt. Damit geht ein Großteil jener Einnahmen, der bisher von den Verlagen inkassiert wurden den Autoren zu. Smashwords behält sich lediglich 15% an Provisionen für seine Dienstleistungen ein. Hinzu kommen wahrscheinlich noch einmal Provisionen, die sich die einzelnen Verkaufsplattformen einbehalten aber dem Autor bleiben jedenfalls zwischen 40 bis 50% des Verkaufspreises. Ein Vielfaches der Verlagsprovisionen, die sich meist um die 10% bewegen.

Jedenfalls ist das Wachstum von Smashwords ein schöner Beleg für die Dynamik innerhalb der Autoren- und eBook-Szene.   

Posted via email from Notizen aus der MedienFabrik

Montag, 27. September 2010

Autoren, eBooks und Verlage: ein provozierender Erfahrungsbericht

Wir haben gestern einen Bericht über die Dominanz von Amazon im Bereich der eBooks gebracht und uns dabei auf ein ausführliches Resümee des Autors J. Konrath bezogen. Dieser ist seit vielen Jahren hauptberuflicher Autor gehört aber hinsichtlich seiner traditionellen Auflagenhöhe wohl nicht in die Kategorie Bestselling Autor. Eher ist er der breiten Masse der professionellen Autoren zuzurechnen. Das Besondere an Konrath ist, dass er als Pionier der eBooks und des Eigenverlages gelten kann. Beide Phänomene – eBooks und Eigenverlag – erwiesen sich in den letzten Jahren als eng verwandt. Der Umstand, dass Autoren bei der Produktion von eBooks wegen entfallender Printproduktion, nicht benötigter physischer Buchdistribution und neuer [Social Media] Marketingansätze nicht mehr zwangsweise auf die Dienste von Verlagen angewiesen sind hat den Eigenverlag eine Renaissance verschafft.

 

Eigenverlag von eBooks kann handfeste pekuniäre Vorteile bringen, wie wir aus dem Blogbeitrag von Konrath entnehmen können. Er bringt dabei das Beispiel seines zum Disney Konzern gehörenden Verlages Hyperion bei dem er sechs Bücher [Print und eBook]verlegt hat. Er konnte über Hyperion von den sechs Titeln bisher lediglich 2.631 eBooks verkaufen wohingegen er von den im Eigenverlag produzierten eBooks über 100.000 Stück verkauft hat. Während Konrath im Durchschnitt laut eigenen Angaben von Hyperion US-$ 34 pro Monat an Tantiemen und Provisionen aus dem Verkauf von eBooks erhält verdient er an den im Eigenverlag verkauften eBooks im Schnitt US-$ 1.700 pro Monat. Konrath analysiert im Folgenden die Unterschiede und kommt zu interessanten Schlussfolgerungen.

 

Während sein Verlag Hyperion die eBooks um US-$ 4,69 verkauft bietet Konrath seine Eigenverlagswerke um durchschnittlich US-$ 2,99 an. Von Hyperion erhält er pro verkauftem Buch eine Provision von US-$ 1,17 wohingegen ihm von jedem elektronischem Eigenverlagswerk US-$ 2,04 verbleiben. Da Hyperion nach Meinung von Konrath zu teuer ist werden weniger eBooks verkauft als möglich. In Kombination mit der niedrigeren Provision errechnet Konrath für sich einen Einnahmenausfall von knapp US-$ 11.400 pro Jahr und Buch im Vergleich zum Eigenverlag. Das macht bei sechs Büchern immerhin knapp US-$ 70.000 aus. Konrath bringt auch noch Erfahrungen mit einem anderen Verlag und kommt zu sehr ähnlichen Ergebnissen.  Die Einnahmen aus dem Verkauf von gedruckten Büchern können diesen Einnahmenentfall nicht annähernd kompensieren. Für ihn sind das sehr handfeste pekuniäre Gründe, auf Verlag und Printproduktion in Zukunft zu verzichten.

 

Konsequenterweise gibt Konrath seinen Autorenkollegen gleich den Tipp, die eBook-Rechte keinesfalls an einen Verlag abzutreten. Er meint, dass wir erst am Beginn der eBook-Ära stehen und diese für Autoren im Eigenverlag deutlich höhere Einnahmemöglichkeiten bringen wird als für Verlagsgeführte Autoren. Als Beleg führt er weitere professionelle Autoren an, die ihre Bücher bereits im Eigenverlag als eBook auf den Markt bringen. Darüber hinaus sieht Konrath in Twitter und der Blogosphäre weit effizientere und kostengünstigere Marketinginstrumente als im klassischen Verlagsmarketing. Soweit zu einem provozierenden Erfahrungsbericht aus den USA. Eine harte Nuss für Verlage.

 

Sollten die USA für die Buchbranche tatsächlich richtungsweisend sein – worauf vieles deutet – dann kommen ähnliche Entwicklungen in den nächsten Monaten und Jahren auch auf uns zu. Ein Grund für uns von der MedienFabrik verstärkt auf Autoren und Kleinverlage zu setzen von denen wir uns im Bereich der eBooks wesentlich mehr Dynamik erwarten.

Posted via email from Notizen aus der MedienFabrik

Dienstag, 27. Juli 2010

Leitfaden: Deine Karriere als Autor

Gute Zeiten für Autoren [schlechte für Verlage]

Die Zeiten haben sich für Autoren und solche, die es gerne noch werden wollen, verändert. Deutlich zum Guten. Früher bestimmten ausschließlich Verlage, wer Autor werden darf und wer nicht. Und die Verlage oder exakter formuliert die dort handelnden Personen suchen sich Autoren und Bücher aus von denen sie annehmen, dass sie Erfolg haben können. Das sind viele und oft nicht richtige Annahmen. Aber da mit jedem verlegten Buch enorme Kosten [Lektorat, Druck, Distribution, Marketing] verbunden sind müssen Verlage sehr vorsichtig sein. Wahrscheinlich sind viele begabte Autoren nicht gefunden und viele tolle Bücher nicht geschrieben worden. Aber ohne Verlag bestand noch vor wenigen Jahren keine Chance für einen Autor an Leser heranzukommen. Und jeder von uns kennt Geschichten über das Klinkenputzen von Autoren in den Verlagen.

Heute hat sich die Situation komplett verändert. Das Web ist da, traditionelle Verlage sind [fast] weg und Klinkenputzen war gestern. Heute nutzt ein [angehender] Autor die Zeit stattdessen dafür, sich und seine Werke im Web zu sozialisieren. Jeder kann heute – auch komplett ohne Verlag – eine Karriere als Autor versuchen. Eines hat sich nicht verändert: ein Autor muss gelesen werden und das Publikum suchen. Nichts ist heute einfacher als das. Auf ins Web, rein mit Texten in deinen Blog und schon geht’s los. Ich sage jetzt nicht, dass du Erfolg haben wirst. Vielleicht fehlt dir wirklich etwas Talent oder vielleicht wird dieses auch im Web nicht er- oder verkannt. Aber was ich sage ist, dass jeder der sich dazu berufen fühlt mit dem Web und ohne Verlag eine Karriere als Autor professionell und systematisch planen und entwickeln kann. Dafür sind absolut keine Kosten erforderlich, sondern nur deine Zeit und deine Leidenschaft. So und hier unser Rezept:

Schritt 1: Social Media Publishing

Du beginnst damit, deine Texte ins Web zu stellen und den Menschen da draußen mitzuteilen, dass du und deine Texte jetzt da sind. Für die Publikation und Präsentation der Texte brauchst du nur ein Blog. Das machst du entweder auf Google’s Blogger, Posterous oder Wordpress auf [bitte gleich mit Autoposting]. Und noch ein kleiner Tipp: fang an, deine Texte in kleinen Häppchen ins Web zu stellen. Keine übertriebene Vorsicht oder Scheu. Wirf deine Leseproben oder Kapitel einfach in die Löwengrube. Am Anfang werden sie ohnehin kaum gelesen und du kannst sie jederzeit ändern. Bücher werden in Zukunft ohnehin anders, interaktiver geschrieben und Leser wollen auf die Story und Charaktere [ähnlich wie heute schon bei Hollywood-Filmen] Einfluss nehmen.

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Jeder Blog braucht seinen Twitter. Also machst du ein Twitter Account auf, verbindest dieses mit deinem Blog und stellst damit sicher, dass jeder Blogbeitrag (also jeder Text von dir) in das Twitterversum verteilt wird. Twitter ist diesbezüglich wesentlich mehr wert als Facebook. Zwar gibt es in Deutschland, Österreich und der Schweiz wahrscheinlich nur etwas mehr als 300.000 Twitterer aber die sind teilweise einflussreich im Web und können dich bei der Verbreitung deiner Texte unterstützen. Das ist so etwas wie die Informationselite. Ein gutes Wort von Sascha Lobo könnte Wunder wirken [;)]. Das große Facebook ist dafür nicht so geeignet und eher eine SPIELwiese für Farmvill‘er oder Philanthropen aber trotzdem solltest du dein Blog auch mit Facebook verlinken.

 Stell deine Texte auch auf Autoren- und Publishing-Plattformen und erhöhe damit deine Chancen, gelesen, bewertet und entdeckt zu werden. Es gibt einige interessante Autorenplattformen wie Suite101 oder Epidu. Such dir einfach über Google ein paar Autorenplattformen heraus, sieh sie dir an und los geht’s. Darüber hinaus gibt es laufend jede Menge Autorenwettbewerbe. Nimm doch an einigen teil und erhöhe damit deine Reichweite. Als Publishing-Plattform empfiehlt sich jedenfalls Issuu, eine Publikations Community wo deine Werke jedenfalls vertreten sein sollten. Damit bist du dann auch schon fast auf Apple wo Issuu demnächst einen eigenen Reader haben sollte [falls Apple die App freigibt].

Und natürlich gilt eines: baue dir systematisch dein Leser- und Empfehlungsnetzwerk durch aktive Freundschafts- und Postingarbeit auf Twitter, Facebook und Issuu auf [modernes Klinkenputzen]. Aber bitte nicht zu aufdringlich. Druckvoll aber mit Sensibilität ist die Devise. Lass dir bitte für die Aufbauarbeit zumindest ein oder zwei Jahre Zeit. Solltest du ein Ausnahmetalent als Autor sein, dann wirst du ohnehin frühzeitig entdeckt werden und ansonsten habe einfach Spaß daran, dich als Autor zu entwickeln. Du wirst erstaunt sein, was sich da am Weg so alles ergibt und dein Leben bereichern wird.

Schritt 2: ePublishing

Hast du die erforderliche Sicherheit und Lesergemeinschaft gefunden, dann solltest du den nächsten Schritt in deiner Autorenkarriere wagen: den Weg in den Selbstverlag über eBooks. Das hört sich vielleicht etwas hochtrabend an aber eBooks kann eigentlich jeder ohne wirtschaftliches Risiko machen und verlegen. Es gibt heute bereits genügend eBook Publishing-Plattformen mit denen du praktisch die ganze Welt erreichen kannst. Aber wenn du zu früh damit beginnst kannst du dir damit auch deine Karriere versauen. Ein schlechtes Buch bleibt ein schlechtes Buch ob Papier oder ePapier.

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Fühlst du dich also bereit für den Schritt in Richtung eBook Autor, dann kannst du z.B. ganz einfach zu einem eBook Publisher gehen und dort dein Manuskript hochladen. In Deutschland gibt es z.B. Ciando, das als Publisher, Shop und Distributor für eBooks agieren. Uns gefällt aber das US-amerikanische Smashwords besonders gut. Du kannst dort dein Buch als Word-Datei hochladen, Smashwords formatiert dir dann deine Word-Datei ein [fast] alle gewünschten Formate und verteilt sie auf Amazon Kindle, Apple iBook und viele andere eBook-Shops. Du kannst dort auch ISBN-Nummern beziehen und sonstige Dienstleistungen, die bisher die Verlage gemacht haben. Das meiste davon kostet dich NICHTS außer deine Zeit.

Sobald dein Buch dann als eBook erschienen ist musst du natürlich dein Netzwerke darüber informieren. Auch deine Aktivitäten auf den Autorenportalen müssen jetzt verstärkt betrieben werden. Also die Werbetrommel für dich rühren. Das kostet dich außer etwas Überwindung und Zeit nichts. Generell gilt: ständig mit deinem Netzwerk in Verbindung stehen, es pflegen und ausbauen. Du kannst dadurch möglicherweise auch kreative Impulse erhalten.

Schritt 3: Das gedruckte Buch

Du hast jetzt schon ein paar eBooks verkauft und gutes Feedback erhalten? Jetzt willst du dein Buch auch gedruckt sehen und deine Worte angreifen können? Vielleicht bist du schon von einem Verlag [ja, die gibt es noch] entdeckt worden?  OK, falls noch nicht, auch kein Problem. Du kannst zu einem Book-on-Demand-Verlag gehen und dort dein Buch in gedruckter Version erhalten und verteilen lassen. Jetzt fallen allerdings Kosten an und daher solltest du dir diesen Schritt überlegen bzw. die ersten beiden Schritte erfolgreich absolviert haben.

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Du kannst z.B. deine Buchdatei auf Epubli hochladen und dir dort gegen Einwurf kleiner Münzen Bücher bestellen, die im Print-on-Demand als Book-on-Demand produziert wurden. Du kannst Epubli weiters damit beauftragen, dein Buch entsprechend über den traditionellen Buchhandel oder Amazon zu vertreiben. Aber das alles kostet dich etwas. Nicht die Welt aber immerhin. Spätestens an dieser Stelle solltest du wissen, wie es mit deiner Karriere als Autor weitergehen soll…

Das waren nur ein paar kleine Tipps wie wir es machen würden.

Posted via email from Notizen aus der MedienFabrik