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Montag, 27. September 2010

Autoren, eBooks und Verlage: ein provozierender Erfahrungsbericht

Wir haben gestern einen Bericht über die Dominanz von Amazon im Bereich der eBooks gebracht und uns dabei auf ein ausführliches Resümee des Autors J. Konrath bezogen. Dieser ist seit vielen Jahren hauptberuflicher Autor gehört aber hinsichtlich seiner traditionellen Auflagenhöhe wohl nicht in die Kategorie Bestselling Autor. Eher ist er der breiten Masse der professionellen Autoren zuzurechnen. Das Besondere an Konrath ist, dass er als Pionier der eBooks und des Eigenverlages gelten kann. Beide Phänomene – eBooks und Eigenverlag – erwiesen sich in den letzten Jahren als eng verwandt. Der Umstand, dass Autoren bei der Produktion von eBooks wegen entfallender Printproduktion, nicht benötigter physischer Buchdistribution und neuer [Social Media] Marketingansätze nicht mehr zwangsweise auf die Dienste von Verlagen angewiesen sind hat den Eigenverlag eine Renaissance verschafft.

 

Eigenverlag von eBooks kann handfeste pekuniäre Vorteile bringen, wie wir aus dem Blogbeitrag von Konrath entnehmen können. Er bringt dabei das Beispiel seines zum Disney Konzern gehörenden Verlages Hyperion bei dem er sechs Bücher [Print und eBook]verlegt hat. Er konnte über Hyperion von den sechs Titeln bisher lediglich 2.631 eBooks verkaufen wohingegen er von den im Eigenverlag produzierten eBooks über 100.000 Stück verkauft hat. Während Konrath im Durchschnitt laut eigenen Angaben von Hyperion US-$ 34 pro Monat an Tantiemen und Provisionen aus dem Verkauf von eBooks erhält verdient er an den im Eigenverlag verkauften eBooks im Schnitt US-$ 1.700 pro Monat. Konrath analysiert im Folgenden die Unterschiede und kommt zu interessanten Schlussfolgerungen.

 

Während sein Verlag Hyperion die eBooks um US-$ 4,69 verkauft bietet Konrath seine Eigenverlagswerke um durchschnittlich US-$ 2,99 an. Von Hyperion erhält er pro verkauftem Buch eine Provision von US-$ 1,17 wohingegen ihm von jedem elektronischem Eigenverlagswerk US-$ 2,04 verbleiben. Da Hyperion nach Meinung von Konrath zu teuer ist werden weniger eBooks verkauft als möglich. In Kombination mit der niedrigeren Provision errechnet Konrath für sich einen Einnahmenausfall von knapp US-$ 11.400 pro Jahr und Buch im Vergleich zum Eigenverlag. Das macht bei sechs Büchern immerhin knapp US-$ 70.000 aus. Konrath bringt auch noch Erfahrungen mit einem anderen Verlag und kommt zu sehr ähnlichen Ergebnissen.  Die Einnahmen aus dem Verkauf von gedruckten Büchern können diesen Einnahmenentfall nicht annähernd kompensieren. Für ihn sind das sehr handfeste pekuniäre Gründe, auf Verlag und Printproduktion in Zukunft zu verzichten.

 

Konsequenterweise gibt Konrath seinen Autorenkollegen gleich den Tipp, die eBook-Rechte keinesfalls an einen Verlag abzutreten. Er meint, dass wir erst am Beginn der eBook-Ära stehen und diese für Autoren im Eigenverlag deutlich höhere Einnahmemöglichkeiten bringen wird als für Verlagsgeführte Autoren. Als Beleg führt er weitere professionelle Autoren an, die ihre Bücher bereits im Eigenverlag als eBook auf den Markt bringen. Darüber hinaus sieht Konrath in Twitter und der Blogosphäre weit effizientere und kostengünstigere Marketinginstrumente als im klassischen Verlagsmarketing. Soweit zu einem provozierenden Erfahrungsbericht aus den USA. Eine harte Nuss für Verlage.

 

Sollten die USA für die Buchbranche tatsächlich richtungsweisend sein – worauf vieles deutet – dann kommen ähnliche Entwicklungen in den nächsten Monaten und Jahren auch auf uns zu. Ein Grund für uns von der MedienFabrik verstärkt auf Autoren und Kleinverlage zu setzen von denen wir uns im Bereich der eBooks wesentlich mehr Dynamik erwarten.

Posted via email from Notizen aus der MedienFabrik

eBooks: Amazon dominiert den [englischsprachigen] Markt

Ein knappes halbes Jahr nach der Einführung des Apple iPads und des Apple iBookstores wäre es natürlich interessant zu wissen, wie sich die Marktanteile am heiß umkämpften und stark wachsenden eBook-Markt darstellen. Diesbezüglich konnte der Bestseller-Autor und Eigenverleger J.A. Konrath beeindruckende Ziffern vorlegen.

Konrath hat nach eigenen Angaben bis 22. September 2010 exakt 103.864 eBooks über alle möglichen und verfügbaren Kanäle verkauft und zieht auf seinem Blog sein detailliertes Resümee. Danach hat er knapp 78.412 eBooks über Amazon Kindle verkauft, was mehr als 75% aller seiner verkauften Bücher darstellt. Im direkten Vergleich dazu hat er von Mai 2010 weg nur 390 eBooks über Apples iBookstore verkauft was wiederum eine vernachlässigbare Größe ist.

Was wir aus dem Resümee herauslesen ist neben der relativen Enttäuschung über die Performance des iBookstores auch die Zufriedenheit mit dem Newcomer Smashwords. Wir haben schon mehrfach über dieses wirklich vielversprechende StartUp geschrieben [siehe diesen Beitrag]. Dieses entwickelt sich für die Autoren und Verlage immer mehr zur Anlaufstelle für den plattformübergreifenden eBook-Verkauf. Smashwords verteilt die elektronischen Bücher an so gut wie alle Verkaufskanäle einschließlich iBookstore. In Bälde soll dann auch noch Amazon Kindle Partner von Smashwords werden. In letzter Konsequenz - so unsere Vorhersage - werden wir wohl nur mehr wenige eBook-Distributoren á la Smashwords brauchen. Das macht das Leben für Autoren und Verlage wie auch für uns als Medienproduzent wesentlich einfacher. Wir schätzen an Smashwords auch die große Benutzerfreundlichkeit sowie die Provisionsgestaltung.

Posted via email from Notizen aus der MedienFabrik