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Dienstag, 9. November 2010

Leitfaden: Textbücher ganz einfach crossmedial gestalten [NEUES SCHREIBEN]

Wir haben in den letzten Tagen von verschiedener Seite Anfragen über "das richtige Schreiben" erhalten. Damit ist nicht der Kreativstil oder die Formulierkunst, sondern das handwerkliche Schreiben mit dem richtigen Werkzeug gemeint. Das ist gar nicht so einfach in Zeiten des crossmedialen Publizierens. In den guten alten Zeiten des bedruckten Papiers war das doch etwas einfacher. Heute sollten neben dem Druck auch noch eBooks und das Web [Online] bedient werden. Das ist insofern etwas komplexer, weil gerade im Bereich der eBooks verschiedene Plattformen wie Amazon Kindle, Apple iBookstore etc bedient werden müssen. Leider befinden wir uns mit den eBooks noch in der Frühphase eines Marktes und daher hat sich noch kein einheitlicher Standard für eBooks herausgebildet. Während Amazon Kindle seinen eigenen Standard [.azw und .mobi] hat setzen die meisten anderen Plattformen wie auch Apple's iBookstore oder Adobe Digital Edition auf den offenen Standard EPUB. Die Amazon Kindle Formate und EPUB sind die beiden "großen" Standards. 

Das Problem ist nun, dass die beiden großen Standards verschiedene Inputformate benötigen bzw. die Konvertierung als klassischen Textverarbeitungs- und Publishingsystemen sich häufig als Stolperstein erweist – vor allem für technisch eher unversierte Autoren. Die wenigsten Autoren beherrschen HTML- oder Command Line Tools. Ein Autor, der über Amazon’s Digital Text Platform [DTP] publizieren will, kann sein Buch im EPUB Format, Word-Format [.doc], als Textformat [.txt] oder als Zipped HTML hochladen [hier ist der Kindle Formatting Guide]. Theoretisch auch als PDF, wobei dann die Formatierung im Regelfall aber scheitert bzw. miese Qualität erzeugt. PDF ist eben ein Druckformat. Leider müssen auch die üblichen Formate oft noch händisch nachformatiert werden.

Ebenso ist es schwierig, ein sauberes EPUB Format aus einem Word Dokument hinzubekommen. Vor allem, wenn erhöhte Anforderungen an die Qualität der konvertierten EPUB gestellt werden, wie z.B. beim Premium Katalog für Smashwords und für die iBookstore von Apple sowieso. Um in den Premium Katalog von Smashwords zu kommen oder im Apple iBookstore gelistet zu werden benötigt man eine validierte EPUB Datei. Die Validitierung kann man z.B. sehr einfach über ThreePress durchführen. Ein ungeübter Autor, der mit irgendwelchen Werkzeugen eine EPUB Datei erstellt, der wird diese Validitierung in den meisten Fällen nicht überstehen.

Für einfache Textdokumente mit wenigen Bildern gibt es allerdings ein paar Werkzeuge, die auch für den technisch unbedarften Autor bedien- und nutzbar sind. So z.B. das exzellente eBook Managementsystem CALIBRE. Die Konvertierungslöstung von CALIBRE kann aus diversen Input-Formaten eine Reihe von Output-Formaten machen und arbeitet sehr sauber, d.h. es kommt im Regelfall eine relativ fehlerfreie Zieldatei heraus, wenn die Input-Datei sauber war. Das Problem mit CALIBRE ist aber, dass das Word-Format [.doc] nicht als Inputformat akzeptiert ist. Allerdings akzeptiert CALIBRE eine im Word als Rich Text Format [RTF] abgespeicherte Datei und konvertiert diese Richtung Amazon Kindle [.mobi] ebenso wie in Richtung EPUB [.epub]. Mit der Abspeicherung im RTF-Format gehen allerdings z.B. Hyperlinks und Bilder verloren, also ist diese spartanische Vorgangsweise wirklich nur für reine Textdokumente zu empfehlen.

Eine andere Methode besteht darin, das Manuskript im Word zu schreiben, sich dabei an den Style Guide von Smashwords zu halten, das Dokument dann über Smashwords publizieren und von Smashwords in die gewünschten Formate konvertieren zu lassen. Hier ist der Style Guide.


Smashwords konvertiert ein nach diesem Smashwords Style Guide verfaßtes Word-Dokument in validitierungsfähige EPUB- und Kindle-Formate. Smashwords beliefert eine Reihe von eBook Shops mit seinen Büchern. Für die Belieferung von Apple iBookstore muss das Buch allerdings in den Premium Katalog von Smashwords aufgenommen werden, was wiederum eine validitierungsfähige EPUB-Datei voraussetzt. Also unbedingt den Style Guide beachten, sonst lehnt Smashwords im Zuge des benötigten Reviews die Aufnahme in den begehrten Katalog ab. Leider beliefert Smashwords [noch] nicht den Amazon Kindle Shop. Also muss man sich am besten die Kindle-Datei von Smashwords herunterladen und sie anschließen über Amazon DTP wieder hochladen.

Eine weitere Möglichkeit besteht darin, statt MS Word das Apple iPage oder Adobe Indesign zu nutzen. Beide haben eine mehr oder weniger gute Exportfunktion in Richtung EPUB. Und aus dem EPUB-Format lässt sich dann auch das Kindle-Format [z.B. mit CALIBRE] erzeugen, nicht aber umgekehrt. Aus dem Kindle-Format lässt sich kein EPUB herausquetschen. Aber Adobe InDesign ist ein komplexes Werkzeug und Apple iPage bei weitem nicht so weitverbreitet wie Word und weder das iPage- noch das EPUB-Format wird z.B. von Smashwords akzeptiert. Leider hat sich bei den Herstellern der diversen Textverarbeitungs- und Publishingsystemen der XML-Standard noch nicht in Reinkultur durchgesetzt. Das ist aber nur eine Frage der Zeit.

So einfach ist das eigentlich. Scherz beiseite: es ist alles nur Stückwerk und viel Bastelarbeit. Aber zumindest für einfache Text/Bild Dokumente und in der Theorie kann das auch ein Nicht-Experte. In der Praxis ist das alles noch etwas komplex und mühsam. Sehr rasch merkt man als Autor, dass man mehr Zeit mit Konvertierungsproblemen verbringt als mit dem Schreiben. Natürlich kann man sich die entsprechende Unterstützung auch kaufen. Amazon, epubli und andere bieten gegen gutes Geld entsprechende Dienstleistungen an. Wir als MedienFabrik machen das ohne Entgelt, sofern das Buch über uns produziert und distribuiert wird.

 

 

Posted via email from Notizen aus der MedienFabrik

Donnerstag, 4. November 2010

Publizieren am iPad: iBookstore versus AppStore

Vor einigen Tagen haben ein paar italienische Entwickler von sich reden gemacht, da sie auf Basis des Open Source HTML5 Editors ein "Baker eBook Framework" vorstellten, das es auf sehr einfache Art und Weise [zumindest für HTML-Kundige] ermöglichen soll, Bücher für den iPad in ansprechendem Design als App über den AppStore anzubieten und zu verkaufen. Dieses Projekt war, obwohl noch im Beta-Stadium, sowohl Mashable als auch dem deutschen iPhoneBlog einen Beitrag wert. Letzteren haben wir für den gelungenen Beitrag gleich "ge-flattr-t" [siehe diesbezüglich unseren Beitrag].

Da auch wir mit dem HTML5 Editor arbeiten haben wir uns gleich das Baker eBook Framework heruntergeladen und damit etwas gespielt. Es funktioniert tatsächlichtrotz Beta-Version schon ganz ansprechend und scheint zumindest technisch ausgereift. Des stellt sich allerdings die Frage nach der Sinnhaftigkeit. Für reine Textbücher mit geringer bzw. nicht aufwendiger Bebilderung erscheint uns die Entwicklung eines eigenen Apps etwas übertrieben. In diesem Fall verweisen wir an die MedienFabrik bzw. an Smashwords.

Über Smashwords können die Bücher im MS Word-Format auch an das Apple iBookstore geliefert werden und das auch für Deutschland. Die Vorteile für den technisch nicht versierten Autor liegen auf der Hand:

  • zunächst das einfache Format MS Word und zum anderen
  • die Möglichkeit, in diesem Format nicht nur im iBookstore, sondern auch bei einer Vielzahl anderer eBookStores gelistet zu werden. 

Autoren, die sich auf das Schreiben von Büchern konzentrieren wollen empfehlen wir daher für den eBook-Weg weiterhin Smashwords bzw. die MedienFabrik als Publishing Partner von Smashwords. Die MedienFabrik übernimmt dann auch gleich die Produktion der gedruckten Bücher über den Partner CreateSpace

Hingegen scheint uns für Autoren, die tatsächlich multimediale Magazine oder Bücher herausbringen wollen, das Baker eBook Framework und der Weg über den AppStore eine vielversprechende Alternative zu sein.

Posted via email from Notizen aus der MedienFabrik

Dienstag, 5. Oktober 2010

"Indie Books" - die neue Autorenszene kommt in Fahrt

Das StartUp der Stunde im Bereich der elektronischen Publizierens heißt Smashwords [siehe unsere Beiträge]. Das seit 2008 bestehende kalifornische Unternehmen hat sich auf die Distribution von eBooks von Autoren im Eigenverlag bzw. von kleinen Verlagen spezialisiert [diese Szene nennt sich im amerikanischen „indie books“]. Dabei kann Smashwords Wachstumsraten aufweisen, die beeindruckend sind. Sowohl für Smashwords aber auch für die Autoren- und eBook-Szene.

Smashwords ist ein Dienstleistungsunternehmen für Autoren [und kleine Verlage]. Es bietet den Autoren die Möglichkeit, ihre Bücher (a) in verschiedenste eBook-Formate zu konvertieren und (b) automatisiert an viele eBook Verkaufsplattformen zu distrubieren. Zum Distributionsnetzwerk von Smashwords gehört u.a. der Apple iBookstore, Barnes & Noble, Sony, Kobo und andere mehr. Demnächst soll auch Amazon Kindle ein Distributionspartner von Smashwords werden. Mit Smashword kann sich der Autor auf das Schreiben konzentrieren. Er muss sein Buch lediglich einmal zu Smashwords hochladen. Alles andere passiert automatisiert. Sehr bequem und einfach für die Autoren und daher ist es auch kein Wunder, dass Smashwords enorm rasch wächst.

Ende September 2010 hat Smashwords den 20.000sten Titel verlegt bzw. distribuiert. Das spannende Detail dabei ist die zunehmende Dynamik, welche einmal mehr ein Beleg für die Kraft des Netzwerkeffektes ist. Dieser verschafft einem Anbieter digitaler Güter [wie z.B. ein eBook] nach Erreichen der kritischen Masse in vielen Fällen ein logarithmisches Wachstum. So auch bei Smashwords. Der Sprung von 15.000 auf 20.000 erfolgte in den letzten beiden Monaten. Im Vergleich dazu: 2008 hat Smashwords gerade einmal 140 eBook-Titel distribuiert und 2009 insgesamt 6.000. Unterstellt man für das letzte Quartal 2010 ähnliche Wachstumsraten wie in den letzten Monaten und berücksichtigt das Weihnachtsgeschäft, dann wird Smashwords heuer wohl an der 30.000er Marke kratzen.

Das bedeutet, dass immer mehr Autoren sich dazu entschließen, ihre Werke als eBook im Eigenverlag herauszubringen. Und es bedeutet auch, dass das klassische Verlagsgeschäft weiter unter Druck kommt. Wir haben bereits darüber berichtet, daß sich in den USA  immer mehr bekannte auf eBooks konzentrieren, die Verlage außen vor lassen und damit  ihr Einkommenerhöhen. Verlage werden im elektronischen Bereich zunehmend verzichtbare Dienstleister.

Was wir hier sehen ist eine klassische Disintermediation. Verlage werden mit Hilfe neuer Dienstleister wie Smashwords aus der Beziehung zwischen Autoren und Lesern weggekürzt. Damit geht ein Großteil jener Einnahmen, der bisher von den Verlagen inkassiert wurden den Autoren zu. Smashwords behält sich lediglich 15% an Provisionen für seine Dienstleistungen ein. Hinzu kommen wahrscheinlich noch einmal Provisionen, die sich die einzelnen Verkaufsplattformen einbehalten aber dem Autor bleiben jedenfalls zwischen 40 bis 50% des Verkaufspreises. Ein Vielfaches der Verlagsprovisionen, die sich meist um die 10% bewegen.

Jedenfalls ist das Wachstum von Smashwords ein schöner Beleg für die Dynamik innerhalb der Autoren- und eBook-Szene.   

Posted via email from Notizen aus der MedienFabrik

Montag, 27. September 2010

eBooks: Amazon dominiert den [englischsprachigen] Markt

Ein knappes halbes Jahr nach der Einführung des Apple iPads und des Apple iBookstores wäre es natürlich interessant zu wissen, wie sich die Marktanteile am heiß umkämpften und stark wachsenden eBook-Markt darstellen. Diesbezüglich konnte der Bestseller-Autor und Eigenverleger J.A. Konrath beeindruckende Ziffern vorlegen.

Konrath hat nach eigenen Angaben bis 22. September 2010 exakt 103.864 eBooks über alle möglichen und verfügbaren Kanäle verkauft und zieht auf seinem Blog sein detailliertes Resümee. Danach hat er knapp 78.412 eBooks über Amazon Kindle verkauft, was mehr als 75% aller seiner verkauften Bücher darstellt. Im direkten Vergleich dazu hat er von Mai 2010 weg nur 390 eBooks über Apples iBookstore verkauft was wiederum eine vernachlässigbare Größe ist.

Was wir aus dem Resümee herauslesen ist neben der relativen Enttäuschung über die Performance des iBookstores auch die Zufriedenheit mit dem Newcomer Smashwords. Wir haben schon mehrfach über dieses wirklich vielversprechende StartUp geschrieben [siehe diesen Beitrag]. Dieses entwickelt sich für die Autoren und Verlage immer mehr zur Anlaufstelle für den plattformübergreifenden eBook-Verkauf. Smashwords verteilt die elektronischen Bücher an so gut wie alle Verkaufskanäle einschließlich iBookstore. In Bälde soll dann auch noch Amazon Kindle Partner von Smashwords werden. In letzter Konsequenz - so unsere Vorhersage - werden wir wohl nur mehr wenige eBook-Distributoren á la Smashwords brauchen. Das macht das Leben für Autoren und Verlage wie auch für uns als Medienproduzent wesentlich einfacher. Wir schätzen an Smashwords auch die große Benutzerfreundlichkeit sowie die Provisionsgestaltung.

Posted via email from Notizen aus der MedienFabrik